Umweltbüro Lichtenberg

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Die Krux mit den Elektroautos

Die größten Lithiumvorkommen der Welt
Mit einer Fläche von 10.000 Quadratkilometern bildet der Salar de Uyuni in Bolivien den größten Salzsee der Welt. In 3650 Metern Höhe hacken Salzbauern gegenwärtig mit Pickeln und Äxten Salz aus der meterdicken Kruste und türmen es zu Kegeln auf. Das Salz trocknet in der Sonne, bevor es auf die Pritschen klappriger Lastwagen geschaufelt und in die Stadt Uyuni gebracht wird.

Von diesem Salzsee in Bolivien soll die Welt, angeführt von großen Industriestaaten wie Deutschland, Japan und den USA abhängig sein? Genau das wäre der Fall, wenn Regierungen, Rohstoffkonzerne und Autohersteller des Westens weiterhin energisch auf eine Zukunft mit Millionen von Hybrid- und Elektroautos setzen. Für einen solchen industriellen Großumbau und den Betrieb der Stromautos ist das Lithium aus der porösen Salzdecke des Salar de Uyuni nötig. Gemessen an seinem Lithium-Gehalt ist der Salar de Uyuni ein Gigant. Der U.S. Geological Survey geht davon aus, dass sich in der Salzkruste 5,4 Millionen Tonnen des Rohstoffs befinden.
Das zweitgrößte Reservoir liegt im benachbarten Chile in der Atacama-Wüste, wo der Salzsee Salar de Atacama drei Millionen Tonnen Lithium enthält. Zusammengenommen befinden sich im südamerikanischen Lithium-Dreieck 70 Prozent des Vorkommens in der Welt, wenn man den Salzsee Salar del Hombre Muerto in den argentinischen Anden hinzuzählt.
Von Bedeutung ist außerdem der Zhabuye-Salzsee in Tibet. Dieses Reservoir in 4400 Metern Höhe nördlich des Mount Everest ist mit 1,1 Millionen Tonnen das drittgrößte Lithium-Vorkommen der Welt.

Lithiumlücke klafft bald auf dem Weltmarkt
Die Ära der Elektroautos bricht an, verkünden die Fahrzeughersteller und wollen Milliarden investieren. Doch der Autobranche droht ein Fiasko - so knapp ist zum einen der Rohstoff, und so aufwendig ist zum anderen dessen Verarbeitung. Experten des französischen Beratungsunternehmens Meridian International Research prophezeien in ihrem 57-seitigen Report "The Trouble with Lithium" eine Lithium-Lücke, die bald auf dem Weltmarkt klaffen wird.
Schon jetzt ist die Nachfrage nach Lithium enorm hoch. Weltweit werden derzeit pro Jahr 93.000 Tonnen Lithium gefördert. Die erschließbaren Reserven liegen aber nur bei wenigen Millionen Tonnen. Die französischen Berater schätzen, dass wegen der steigenden Nachfrage der Elektronikbranche im Jahr 2015 gerade mal 30.000 Tonnen Lithium weltweit für Elektroautos zur Verfügung stehen. Das würde für nicht einmal 1,5 Millionen Hybridmotoren reichen.
Inzwischen ist die Luftfahrtbranche der Autoindustrie als Konkurrent erwachsen - mit Hightech-Flugzeugtypen wie dem Boeing-787-Dreamliner und bald dem Airbus A-350 XWB, der zum Starten der Triebwerke und für die Notstromversorgung mit Lithiumakkus bestückt sein wird.

Aufwendige Verarbeitung
Dem weltweiten „Lithiumhunger“ sind enge Grenzen gesetzt. Günstig ist derzeit ohnehin nur die Lithium-Gewinnung im Salar de Atacama Chiles. Nirgendwo auf der Welt ist die Salzlake ähnlich stark mit Lithium angereichert, und in keinem Salzsee, aus dem man sie herauspumpt, verdampft sie so leicht. Dafür sorgen das grelle Licht der Andensonne, trockene Luft und die vergleichsweise niedrige Höhenlage des Salzsees mit 2300 Metern. Die chilenische Bergwerksgesellschaft Sociedad Química y Minera hat dort Becken angelegt, in denen die Lauge allmählich verdampft. Nacheinander setzen sich dabei die einzelnen Salze ab. Übrig bleibt eine olivgrüne Lösung, in der sich das Lithium befindet. Die Flüssigkeit wird per Tankwagen nach Antofagasta am Pazifik gekarrt, in einer Fabrik mit Soda vermengt und dabei in Pulver verwandelt: in schneeweißes Lithiumsalz, auch Lithiumkarbonat genannt, der Grundstoff für die späteren Akku-Elemente.

Schon in der Atacama-Wüste droht ein Engpass. Aus dem Inhalt der Lake-Becken werden gegenwärtig 45.000 Tonnen Lithiumsalz jährlich destilliert - knapp die Hälfte der Weltproduktion.
Vom Südrand des Salzsees aber, wo sich das Lithium am stärksten konzentriert, ist bereits ein Fünftel der besten Vorräte gefördert worden. Deshalb müssten neue Bohrstellen, Pumpen und Pipelines in anderen Gebieten des Salar de Atacama eingerichtet werden, und selbst dann sind vom chilenischen Lithium-Gesamtvorrat nur eine Million Tonnen verwendbar, konstatieren die Experten. Der Preis dafür aber wäre hoch und bringe "die massive Zerstörung des Salzsees" mit sich, heißt es im französischen Report.

Im bolivianischen Salzsee Salar de Uyuni hat die industrielle Förderung von Lithium noch gar nicht begonnen. Boliviens staatliche Bergbaugesellschaft Comibol hat erst die Gebäude einer Pilotfabrik hochgezogen. Es gibt kein sauberes Wasser, keinen Strom, kein Internet und nicht einmal ein Telefon, ja nicht mal einen Fernschreiber. Die Straßen sind ein Desaster.
Vor Ort haben Arbeiter gerade mal ein Versuchsbecken angelegt. Es wird schwierig, das Lithium abzuscheiden, weil die Lake im Salar de Uyuni einen hohen Anteil von Magnesiumsalzen enthält, die das Lithium verunreinigen könnten. Zum späteren Verarbeiten in Akkus ist aber ein Reinheitsgrad von 99,95 Prozent notwendig.
Für die industrielle Erzeugung von Lithiumsalz braucht es kilometerlange Becken, und als Nachteil am Salar de Uyuni kommen Sommerregen hinzu, die die Lake in den Becken verdünnen würden.

Angesichts der Faktenlage ist absehbar, dass die Zukunft der Mobilität nicht im Elektrofahrzeug liegen kann. Nach Hochrechnungen reichen die Lithiumvorkommen weltweit lediglich für ein Prozent der bereits vorhandenen Autos, wollte man sie alle mit Elektromotoren ausstatten. Und der Bedarf in Ländern wie China und Indien explodiert geradezu. Es wäre allemal sinnvoller, in wirklich zukunftsfähige Technologien wie den Wasserstoffantrieb und in die Energiespeicherung zu investieren.

 

 

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