Umweltbüro Lichtenberg

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

So auch Anfang 2016, als der Bremer Bürgermeister Carsten Sieling zur Eröffnung der jährlichen Tombola traditionell 500 Luftballons mit anhängenden Freilos-Gutscheinen aufsteigen ließ. Ein Umweltschützer aus dem niedersächsischen Großenkneten erfuhr davon. Er zeigte den Bürgermeister daraufhin wegen „vorsätzlicher Umweltverschmutzung“ an (Hannoversche Allgemeine Zeitung). Die Reaktion aus dem Rathaus? Der Sprecher von Sieling räumte ein, dass bisher niemand im Bremer Rathaus die Luftballonaktion unter dem Aspekt des Tierschutzes betrachtet hat. Jedenfalls habe Sieling „nicht in dem Bewusstsein gehandelt, dass er damit womöglich eine Ordnungswidrigkeit begeht“.
Als daraufhin die katholische Schule St. Johann ihren traditionellen Luftballonflug im Rahmen der Burkina Faso-Woche gleich ganz abgesagt hat, reagierte unter anderem die Bildzeitung gewohnt empört: „
Einer schönen Tradition droht das Aus! Seit über 30 Jahren lassen die Kinder der katholischen St. Johannis-Schule im Frühling 400 Luftballons steigen. Jetzt fällt der Spaß zum ersten Mal aus.“ (Bild).
Dabei geht es den Umweltschützern nicht darum, den Spaß zu verbieten, sondern aufzuklären. Viele Menschen sind sich der Gefahren und langfristigen Konsequenzen, die von Luftballons ausgehen, nicht bewusst - vor allem dann, wenn auch noch Kärtchen und Bändchen aus Plastik daran hängen. So ging es vermutlich auch dem Bremer Bürgermeister.

 

Doch irgendwann verlieren alle Ballons an Luft und somit an Höhe und landen als Plastikmüll in der Natur. Viele Ballons gehen sogar nur wenige Kilometer vom Startpunkt wieder auf die Erde. Dort kann es vorkommen, dass sie von Kühen, Pferden oder anderen Tieren gefressen werden. In den Schnüren verheddern sich Wildvögel oder kleine Tiere. Die Ballons, die weiter fliegen, landen zum Teil auch über Flüsse im Meer. Dort werden sie unter anderem von Vögeln, Schildkröten, Walen und Fischen mit Nahrung verwechselt und gefressen. Sie verhungern dann qualvoll mit vollem Magen. Einige Seevögel nutzen die Plastikschnüre als Nestbaumaterial und die Alt- und Jungvögel bleiben darin hängen (das Erste).


Auch die Schildchen an den Ballons sind nicht so harmlos wie sie erscheinen. Oft sind sie laminiert, um länger zu halten. Die verwendete Druckerfarbe ist oft ebenfalls nicht unschädlich.

Ein Hauptproblem dabei ist die Masse, denn jährlich gehen Millionen Luftballons erst in die Luft und dann in die Umwelt. Es dauert nun, wo die Ballons (wie auch anderer Plastikmüll) in der freien Natur herumliegen, viele Jahre bis Jahrzehnte, bis diese in kleinste Mikrobestandteile zerkleinert wurden. Diese werden wiederum von Mikroorganismen aufgenommen und landen so in der Nahrungskette. Und da der Mensch Teil der Nahrungskette ist, landen die Ballons auch bei uns in der Küche. Statistisch gesehen enthält bereits jeder vierte Fisch auf unserem Teller Plastik (takepart).

 

Zwar wurden in den vergangenen Jahren auch Organismen entdeckt, die verschiedene Plastikstoffe tatsächlich abbauen können, aber eine (Auf-)Lösung des Plastikproblems ist dadurch nicht in Sicht. Das Bakterium Ideonelle beispielsweise braucht unter optimalen Bedingungen und bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius etwa sechs Wochen, um ein kleines Stück Polyethylenterephthalat (PET) zu zersetzen (spiegel-online).
Auch biologisch abbaubare Luftballons sind leider keine echte Alternative. Zwar sind „Öko-Luftballons“ biologisch abbaubar, allerdings dauert dies nach Angabe der Hersteller etwa so lange wie bei einem Eichenblatt. Und auch ein Eichenblatt benötigt ca. 5-6 Monate, wobei Untersuchungen zeigen, dass die Zersetzung von Latexballons teilweise mehrere Jahre dauern kann. So lange kann der Vogel, der sich darin verheddert hat, aber kaum warten! Gleiches gilt natürlich auch für Tiere, die die Ballons mit Fressbarem verwechseln.

 

Weltweit engagieren sich daher immer mehr Menschen gegen Luftballonaktionen und informieren über Probleme, die von ihnen ausgehen. Die Initiative Balloons blow klärt auf, organisiert Kampagnen und veranstaltet Müllsammelaktionen. In Deutschland setzen sich viele Privatpersonen und lokale Gruppen unter anderem vom NABU gegen Luftballons ein.

 

Neben dem Plastik stellt übrigens auch der Verbrauch von Helium ein Problem dar, denn Helium kann nicht wieder aus der Luft separiert werden, wenn es einmal freigesetzt wurde. Auch eine künstliche Erzeugung von Helium ist nicht möglich. Die Vorkommen an Helium auf der Erde sind also begrenzt. Mit Helium gefüllte Luftballons sind also eine Verschwendung dieses kostbaren Rohstoffes, der unter anderem auch für MRT-Scanner, Beatmungsmaschinen, LCD-Bildschirme, Laser und Schweißen von Metallen unverzichtbar ist.

 

Bei der Suche nach Alternativen zu Luftballons sollte man übrigens vorsichtig sein. Denn auch die allseits beliebten Himmelslaternen unterliegen Auflagen. Durch die Laternen werden jährlich (Wald-)Brände ausgelöst und Tiere verletzen sich an ihren Resten. In Berlin beispielsweise dürfen sie daher nur mit einer Genehmigung aufsteigen (die im Normalfall nicht erteilt wird).

 

Weitere Quellen:
ma/ok-plastik-wird-zur-toedlichen-gefahr/
https://compass1492.wordpress.com/h-umwelt/gutgemeinte-luftballon-aktion-umweltschaden
http://www.liga-vogelschutz.org/luftballons-und-vogelschutz/
http://marcus-luepke.info/luftballons-ab-in-die-luft-und-aus-dem-sinn-bloedsinn-2016/
https://weserreport.de/2016/03/panora

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