Umweltbüro Lichtenberg

Lichtenberger Wasserwelten - Eine Radtour zu Lichtenberger Kleingewässern

Eine ganze Reihe von Lichtenberger Gewässern bieten Amphibien wie Erd- und Knoblauchkröte, Moorfrosch und Rotbauchunke wichtige Laichplätze und dienen ihnen als Lebensraum. Möchte man diese Arten schützen, lohnt ein Blick in die Gewässer.

Gerade in diesem Frühjahr zeigt sich die Wichtigkeit von Gewässern in Berlin besonders. Es hat viele Wochen keinen nennenswerten Niederschlag gegeben. Gerade im Frühjahr ist er für Amphibien aber besonders wichtig, denn sie verlassen bei Temperaturen um zehn Grad Celsius ihr Winterquartier und wandern zu den Laichgebieten.

 

Hier finden Sie den ersten Teil der Radwanderung zum Herunterladen.

 

Die Radtour startet am Bhf. Hohenschönhausen. Die erste Etappe bringt uns ins Landschaftsschutzgebiet (LSG) Falkenberger Krugwiesen. Dort befindet sich der Hohenschönhausener See (ehemals Fauler See). Er besitzt weder einen Zu- noch einen Abfluss und ist damit besonders auf Niederschläge angewiesen, damit der Wasserkörper erhalten bleibt. Amphibien und verschiedenen Vogelarten dient er als Laich- und Brutgebiet, durch seine Röhrichtbestände ist er Brutgebiet des Schilfrohrsängers sowie der Rohrammer.

 

Weiter geht es zum Gehrensee, der nach der politischen Wiedervereinigung aufwändig renaturiert und entsiegelt wurde. Die Wiesenbereiche um das Gewässer werden seit einigen Jahren im Sommer beweidet, um das Aufwachsen von Gehölzen zu verhindern. Leider sind die Randbereiche um den Gehrensee derzeit recht zugewachsen, ein Blick in das Gebiet wird den Besucher*innen verwehrt.

 

Wir erreichen die Falkenberger Rieselfelder. Um Berlin wurden Ende des 19. Jhd. die Rieselfelder angelegt. Hintergrund war die Gewissheit, dass die Abwässer aus der Stadt heraustransportiert werden müssen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu gewährleisten (bis zu diesem Zeitpunkt wurde das Schmutzwasser noch auf der Straße entsorgt). Es folgten Flächenankäufe rund um Berlin, mit dem Ziel die Abwässer der Stadt auf diesen Flächen zu verteilen und diese gleichzeitig als Düngemittel für den Gemüsegarten Berlins zu nutzen. Für die damalige Zeit war das ein sehr fortschrittliches System, problematisch wurden mit der Industrialisierung und dem damit verbundenen Bevölkerungswachstum die ansteigende Menge der Abwässer, die auf gleicher Fläche „verrieselt“ wurden.

Nach Einstellung des Rieselbetriebes, hier in den 60-iger Jahren, wurde nur ein sehr kleiner Teil der Fläche von der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ausgenommen. Auf diesen sind heute noch die Strukturen der Rieselfelder erkennbar, aus Naturschutzsicht sind diese strukturreichen Flächen am interessantesten.

Um das Verwalden des Gebietes zu verhindern, werden die Falkenberger Rieselfelder von Rindern ganzjährig beweidet. Seit 1995 sind die Falkenberger Rieselfelder als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen. Sie bieten dank ihrer vielfältigen Strukturen auch Rast- und Zugvögeln einen wichtigen Lebensraum, genauso wie Wechselkröte, Rotbauchunke und Moorfrosch. Nach regenreichen Wintern entstehen auf den Flächen zahlreiche Überschwemmungsflächen. Während Wechselkröten und Rotbauchunken Überschwemmungsflächen bevorzugen, finden sich die Moorfrösche eher in den tieferen Gewässern, etwa in den Becken oder Gräben. Die Falkenberger Rieselfelder sind als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) auch auf europäischer Ebene geschützt.

 

Entlang von Obstbäumen gesäumten Wegen geht es weiter durch die Wartenberger Feldmark in das Naturschutzgebiet (NSG) Malchower Aue. Es liegt nördlich vom Malchower See und ist durch den Wartenberger Weg vom See getrennt. Die Malchower Aue ist geprägt von Wiesen und Torfstichen, die Wege sind ursprünglich. Aber Vorsicht: Nach ausgiebigen Regenfällen kann es hier recht matschig werden.

 

Hier finden Sie den zweiten Teil der Radwanderung zum Herunterladen.

 

Das nächste Gewässer, an dem wir vorbei kommen, ist etwas größer. Der Malchower See ist ein Angelgewässer, jedoch kein Badesee. Der See entstand nach der letzten Eiszeit. Beim Rückzug der Gletscher vor 25.000 Jahren blieb in einer Vertiefung Toteis zurück, welches nach dem Schmelzen den heutigen See bildete.

 

Wir machen einen kurzen Abstecher in den Pankower Nachbarbezirk: Zum Faulen See. Bereits 1933 wurde der Faule See zum Naturschutzgebiet ausgewiesen. Auf einer Fläche von 25 Hektar nimmt der See nur etwa 20 Prozent der Fläche ein. Über die Jahre hat sich in dem See eine etwa drei Meter dicke Faulschlamm- und Torfschicht gebildet. Darüber besitzt der See eine maximale Wassertiefe von etwas über einem Meter. Die Verlandungszonen sind interessante Gebiete für gefährdete Pflanzenarten und auch Brut- und Rastvögel nutzen die unterschiedlichen Bereiche des Sees.

 

Gleich um die Ecke befinden sich Ober- und Orankesee. Wir erreichen erst den Orankesee. Weil Slawen einst dieses Gebiet besiedelten, nannten die Urväter den See Rodranka. Die slawische Bezeichnung bedeutet so viel wie „kleiner rotbrauner See“. Im Lauf der Zeit wurde daraus Rothe, Ranke, Roderanke, Rohrranke und schließlich Oranke = Orankesee.

Die Inbetriebnahme der Löwenbrauerei 1894 prägte die industrielle Entwicklung. Als erster Ausschank der Brauerei wurde noch im Gründungsjahr das Wirtshaus am Orankesee eröffnet. Am nördlichen Ufer des Orankesees befindet sich das Strandbad. Dieses wurde auf Betreiben eines Pächters des Wirtshauses 1929 errichtet. Den Sand für den Orankestrand ließ man eigens aus Heringsdorf an der Ostsee kommen. Heute ist das Strandbad am Orankesee einer der wenigen noch erhaltenen öffentlichen Strandbäder unserer Stadt Berlin.

 

Der Wasserspiegel des Obersees liegt etwa 1,5 Meter höher als der des Orankesees, daher rührt auch sein Name. Ein historischer Plan von 1872 zeigt den Obersee als schmale Moorschlenke. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die in Ost-West-Richtung verlaufende Senke durch einen Damm getrennt. Dieser Damm bildet die Trasse der heutigen Oberseestraße. Westlich des Damms lag der Orankesee mit den ihn umgebenden Grünflächen. Nach Gründung der Aktienbrauerei in Hohenschönhausen, entstand östlich des Damms der Obersee, der die Sicherung des hohen Wasserlaufes und die Deckung des Wasserverbrauchs zur Aufgabe hatte.

 

Der Park am Obersee wurde 1913 angelegt, die Insel im See stellte eine besondere Attraktion dar. Das dort errichtete Teehäuschen konnte von den Besuchern mit Gondeln erreicht werden. Nach starken Zerstörungen während des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit wurde der Park Anfang der 60er Jahre vollständig umgestaltet. Heute fügen sich an seinem nördlichen Ufer Wohnhäuser in die Landschaft ein. Urwüchsig liegt die schmale Insel inmitten des langgestreckten Gewässers. Steil steigen rechts die Uferanlagen des gepflegten Parks empor. Zahlreiche Bänke laden zum Pausieren und Verweilen ein.

 

Hier finden Sie den dritten Teil der Radwanderung zum Herunterladen.

 

Nun fahren wir weiter zum Landschaftsschutzgebiet (LSG) Herzberge, eines der jüngsten Schutzgebiete Lichtenbergs, wurde es doch erst 2018 ausgewiesen. Etwa 600 Jahre lang wurde hier Landwirtschaft betrieben, bevor das heutige Krankenhaus erbaut wurde. Heute werden einige Flächen mit Rauhwolligen Pommerschen Landschafen bewirtschaftet, die die Flächen frei halten und vor Bewaldung schützen. Innerhalb des Landschaftsschutzgebietet gibt es zahlreiche Teiche, die für die Reproduktion von Amphibien wichtig sind. Einige von Ihnen wurden mit kleinen Pumpen und Windrädern ausgestattet, die ab dem Frühjahr Wasser in die Gewässer leiten. Damit wird sichergestellt, dass die Teiche in der Laichzeit der Amphibien nicht trocken fallen.

Wir fahren am Zentralfriedhof Friedrichsfelde vorbei, der als erster Städtischer Friedhof am 21. Mai 1881 eingeweiht wurde. Durch eine Kleingartenanlage hindurch kommen wir zur Rhinstraße, an der der S-Bhf. Friedrichsfelde Ost zu finden ist. Hier endet die Radwanderung „Lichtenberger Wasserwelten“.

Wir hoffen, dass wir Ihr Interesse geweckt haben und wünschen viel Spaß beim Erkunden der Lichtenberger Wasserwelt. Im nächsten Jahr gern auch wieder gemeinsam mit uns!

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