Umweltbüro Lichtenberg

Ein Ortswechsel mit Folgen

Diese Lebewesen können unerwünschte Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna haben. Als Beispiel ist vor allem die Konkurrenz um Lebensraum und begrenzt vorhandene Ressourcen wie Wasser und Nahrung zu nennen. Haben die Neuankömmlinge negative Auswirkungen auf heimische Arten, spricht man von invasiven Arten. Von allen gebietsfremden Arten machen die invasiven Arten nur einen geringen Bruchteil aus. Untersuchungen in verschiedenen Ländern zeigen, dass sich etwa zehn Prozent der eingeschleppten Arten unbeständig im neuen Lebensraum halten können. Davon etablieren sich etwa zehn Prozent dauerhaft in naturnahen Lebensräumen und zehn Prozent davon können negative Auswirkungen auf Landschaftsraum und Mensch haben. In Zahlen ausgedrückt heißt es, von 100 eingeführten Arten etablieren sich zehn dauerhaft im neuen Lebensraum und etwa eine dieser Arten hat einen invasiven Charakter und damit eine unerwünschte Auswirkung auf die heimische Flora und Fauna.

 

Das klingt erst einmal wenig besorgniserregend.

Bei lang isolierten Ökosystemen, wie sie bspw. auf Inseln zu finden sind, fallen die negativen Auswirkungen invasiver Arten stark ins Gewicht. Diese Artengemeinschaften haben sich über einen langen Zeitraum ohne Einfluss von außen entwickelt. Dieses Gleichgewicht kann leicht gestört werden. In Hawaii übersteigt die Biomasse der eingeschleppten Pflanzen (Neophyten) bereits die der heimischen Arten, zehn Prozent der gebürtigen Pflanzenarten wurden verdrängt und gelten bereits als ausgestorben.

 

In Berlin gelten folgende Arten als invasiv: Bisam, Blaubandbärbling, Chinesische Wollhandkrabbe, Buchstaben-Schmuckschildkröte, Kamberkrebs, Roter Amerikanischer Sumpfkrebs, Marderhund, Marmorkrebs, Mink, Nutria, Nilgans, Sonnenbarsch, Waschbär, Drüsiges Sumpfkraut, Gewöhnliche Seidenpflanze, Götterbaum, Riesen-Bärenklau und Schmalblättrige Wasserpest.

 

Viele dieser Arten werden bei uns wohl langfristig in naturnahen Lebensräumen zu finden sein, da eine Verdrängung dieser Arten meist recht kostspielig ist. Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs bspw. wurde im Jahr 2017 im Tiergarten gesichtet. 4.000 Exemplare wurden eingesammelt und vernichtet. Seit 2018 dürfen Fischer diese Art fangen und an Restaurants verkaufen. Trotzdem steigt die Zahl weiter an: Ende 2018 wurde bekannt gegeben, dass in diesem Jahr knapp 40.000 Exemplare des Roten Amerikanischen Sumpfkrebses entnommen wurden.

Im Gegensatz zu dieser Krebsart, hat der Riesen-Bärenklau direkte negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die Berührung mit der Haut ruft Hautreizungen hervor, die sich durch anschließenden Sonnenkontakt zu schmerzenden Verletzungen auf der Haut entwickeln können. Vor allem Allergiker sollten die Gefahr nicht unterschätzen. Dem Gesundheitssystem entstehen dadurch hohe Kosten. Die Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus ist personal- und kostenintensiv. Über einen Mindestzeitraum von zehn Jahren müssen die Pflanzen vor der Blüte aus den „befallenen“ Gebieten entnommen und verbrannt werden. Ein/e einzelne/r gedankenlose/r Bürger/in, der/die Grünschnitt illegal auf öffentlichen Grün- und Freiflächen oder in Schutzgebieten entsorgt, kann die jahrelange Arbeit leicht zunichtemachen!

 

Die Herkunft des Sonnenbarsches oder der Buchstaben-Schmuckschildkröte in Berlin, rührt von Aussetzungen aus Aquarien in Berliner Gewässer her. Heimische Fischarten werden verdrängt, der Konkurrenzdruck auf die Arten steigt.

 

Die Europäische Union hat im Jahr 2015 eine Liste zusammengestellt, die invasive gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten beinhaltet, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und daher langfristig der biologischen Vielfalt schaden können. Um sie bekämpfen zu können, wurde die EU-Verordnung 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Artenerlassen. 2019 wurde die Liste bereits zum zweiten Mal vervollständigt, insgesamt finden sich nun 66 invasive Arten darauf (die erste offizielle Liste enthielt 37 Arten, 2017 waren es 49 Arten). Das ist nur ein Bruchteil gebietsfremder Arten, die potentiell Schäden in Naturgebieten hervorrufen können, allein in Deutschland sind 168 invasive Arten bekannt.

 

Die EU hat sich das Ziel gesetzt, einheitliche Mindeststandards zu definieren, um eine bessere Vorbeugung, Früherkennung und Reaktion auf invasive Arten zu ermöglichen. Zudem soll die Kontrolle und Verringerung möglicher Schäden verbessert werden. Die gelisteten Arten sind von Region zu Region sehr unterschiedlich verbreitet. Es bleibt daher weitgehend den Mitgliedstaaten überlassen, ob und wie sie gegen diese vorgehen. Bei bereits etablierten Arten lohnt sich der Aufwand in der Regel kaum, hier gilt es eher, die weitere Verbreitung in angrenzende Regionen zu unterbinden.

 

Vorsorge ist auch bei diesem Thema besonders wichtig. Durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung kann bspw. erreicht werden, dass Privatleute bewusster mit gebietsfremden Arten umgehen und keine Gartenabfälle in der freien Landschaft entsorgen oder das Ausbringen neuer Arten in die Natur unterlassen. Berufsgruppen, die in der freien Landschaft arbeiten, wie Landschaftsbaubetriebe, Gartenbauer, Imker, Land- und Forstwirte sollten nach Möglichkeit einheimische Arten benutzen und die unbeabsichtigte Ausbreitung gebietsfremder Arten durch ihre Aktivitäten verhindern.

 

Weitere Informationen und Ansprechpartner zu invasiven Tier- und Pflanzenarten finden Sie auf der Webseite der Senatsverwaltung für Umwelt Verkehr und Klimaschutz.

 

Quellen:
https://www.stiftung-naturschutz.de/naturschutzprojekte/koordinierungsstelle-fauna/invasive-arten
https://neobiota.bfn.de/
https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/07/riesenbaerenklau-herkules-staude-invasive-arten-verbrennungen.html
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/invasive-arten/unionsliste.html

 

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