Umweltbüro Lichtenberg

Bauen der Zukunft – Alleskönner Pilz?

Das Wurzelwerk der Pilze ist dabei gleich doppelt ökologisch: Es wächst schnell nach und wird es nicht mehr gebraucht, ist es vollständig kompostierbar. Bei dem Pilzmyzelium handelt es sich um das feine Geflecht fadenartiger Zellen, die unterirdisch im Boden wachsen. Dieses Myzel bildet ein kreisförmig nach außen wucherndes Geflecht von Millionen feinen, nur Bruchteile eines Millimeters dicken und sich verzweigenden Fäden. Diese Fäden lassen sich hervorragend in alle erdenklichen Formen bringen. Ganz vorne mit dabei: Backsteine.

 

Dazu werden, die bisher ungenutzten Pilzfäden auf biologischen Abfällen wie Kaffeesatz und Stroh vermischt und kultiviert. Nach zwei bis drei Wochen durchziehen die Myzelien-Fäden das gesamte Substrat und bilden so eine feste Struktur. Dieses Pilzmaterial wird nun zerkleinert. Jetzt lässt es sich in jede beliebige Form pressen, in der es zunächst verhärtet und im Ofen getrocknet wird, bevor es weiterverarbeitet werden kann. Durch die Hitze des Ofens wird der Pilz ausgetrocknet und die Pilzstruktur abgetötet. Damit wird verhindert, dass der Pilz später weiterwächst. Am Ende des Prozesses entsteht ein außergewöhnlich druckfester und stabiler Baustoff, der nichts weiter als natürliche Nährstoffe sowie Sonnenlicht benötigt. Die Form eines klassischen Ziegelsteins haben die meisten schon einmal gesehen, sodass sich dieser gut als Vergleich Stein-Pilz heranziehen lässt. Die gelblichweiße Farbe kann zunächst befremdlich wirken, doch wird so ein Pilzstein verbaut, wird er, ähnlich wie bei unbehandelten Holz durch eine Schicht vor Feuchtigkeit versiegelt. Durch den leicht muffigen Geruch und die fluffige Oberfläche wird so ein Pilzstein auch häufig mit Camembert verglichen. Seine besondere Festigkeit erreicht der Pilzbaustoff durch das durcheinanderwachsen des Myzels. Ähnlich wie bei einem gewebten Teppich wachsen ihre Enden ineinander und weichen sich nicht aus.

So können Pilze inzwischen nicht nur Ziegel und Beton ersetzen, sondern auch Plastikelemente im Schallschutz. Denkbar ist außerdem, dass Pilze die konventionellen Polyesterschaumstoffe ersetzen. Auch als nachhaltige Alternative zu Styropor oder Sperrholz sind die Pilzstrukturen denkbar.

 

Doch warum brauchen wir neue Baustoffe?

 

Die Zementindustrie ist weltweit einer der größten CO2 Emittenten. Dirk Hebel, Professor für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie erklärt, dass sehr viele fossile Energieträger, wie Kohle, Öl und Gas verbrannt werden, um aus Kalkstein Zement herzustellen. Kohlendioxid entsteht aber nicht nur dort, sondern auch durch den chemischen Umwandlungsprozess von Calciumcarbonat zu Calciumoxid, dem Hauptbestandteil des Zements. Gleichzeitig werden die Hauptzuschlags­stoffe Sand und Kies, die für die Betonproduktion benötigt werden, knapp. Dirk Hebel nennt das die Ressourcenlücke. Vor fünf Jahren hat er in seinen Vorlesungen den Sandmangel noch an Beispielen aus Marokko oder Indonesien nahegebracht. Heute erleben wir ihn hautnah, bei uns in Deutschland.

 

Doch nicht nur der Bau, sondern ebenso der Abriss von Gebäuden ist inzwischen problematisch. Laut Umweltbundesamt bildeten bereits im Jahr 2018 die mineralischen Bauabfälle einschließlich des Bodenaushubs, also Böden und Steine, mit 228,1 Millionen Tonnen die größte Abfallgruppe in Deutschland, Tendenz steigend. Pilze bilden somit eine Ressource, denn sie lassen sich einfach züchten und benötigen nicht einmal eine große landwirtschaftliche Nutzfläche. Für eine Großproduktion würde anstatt mehrerer Hektar Land somit eine Lager- und Produktionshalle reichen. Außerdem erzeugen Bausteine und Plattenwerkstoffe auf Pilzbasis keinen Müll. Werden sie nicht mehr benötigt, können sie einfach wieder in den biologischen Kreislauf eingespeist werden.

 

Warum bei uns der Sand fürs Bauen knapp wird, können Sie hier nachlesen: http://www.umweltbuero-lichtenberg.de/umweltbewusst/archiv/zukunft-gestalten/493-ein-dringendes-problem-sandknappheit.html?highlight=WyJzYW5kIl0=

 

 

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