Umweltbüro Lichtenberg

Grüne Berufe - Imker

In lockerer Folge wollen wir Ihnen verschiedene Berufe vorstellen, die im weitesten Sinne mit der Umwelt zu tun haben.
Heute stellen wir Ihnen den Beruf des Imkers vor – ein Interview mit Joachim Wernstedt

 

1. In welcher Firma und Fachrichtung sind Sie tätig?
Vor meiner Berentung war ich bei der Berufsfeuerwehr tätig. Da mein Vater und Großvater bereits mit Bienen arbeiteten, kam ich frühzeitig mit Bienen in Kontakt und lernte, mit ihnen umzugehen. Den Beruf eines Imkers habe ich in dem Sinne nicht gelernt, mich aber seit dem 15. Lebensjahr immer und egal, wo ich war, mit Bienen beschäftigt. Als mein Vater aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr imkern konnte, übernahm ich seine Arbeit und führe seither eine Hobby- bzw. Freizeitimkerei im Landschaftspark Nordost in Berlin Falkenberg.
Die Imkerei ist eine saisonale Arbeit und in Deutschland eher schwierig. Ich schätze, dass nur etwa 2 % der gesamten Imkerschaft ausschließlich von der Imkerei und dem Honigverkauf leben. Die meisten üben den Beruf eines Imkers als zweites Standbein im Nebenerwerb aus. Etwa 200 - 400 Völker werden dafür benötigt. Ein Bienenvolk hat ungefähr 40.000 – 60.000 Arbeitsbienen.

2. Welche Aufgaben hat ein Imker?
Der Imker hat ein sehr umfangreiches Arbeitsfeld. Zum einen muss er die Bienenvölker betreuen, da sie in unseren Breiten ohne fachgerechte Hilfe nicht mehr lebensfähig sind. Veränderte Trachtverhältnisse haben verursacht, dass es für Bienen von Frühjahr bis Herbst nicht mehr durchgängig genügend Nahrung gibt. Eine Tracht bezeichnet dabei das gesammelte Nahrungsangebot der Bienen. Der Imker ist demnach Begleiter und Unterstützer der Bienenvölker und sorgt für ihre optimale Entwicklungsmöglichkeit. Zum anderen muss der Imker viel beobachten und prüfen. Wie ist das Wetter, welches Trachtangebot gibt es, also was blüht gerade im Flugbereich der Bienen, wie ist der Flug des Bienenvolkes, also sammeln sie Pollen, welche Pollenfarbe ist an den Höschen etc. Weiterhin ist es sehr wichtig ab Mitte Juli eine Varroa-Behandlung zum Ausgleich des Parasitenverhältnisses durchzuführen und die jungen Bienen, die das Wintervolk bilden, zu schützen.
Die Hauptarbeitszeit konzentriert sich von den Monaten März/April bis in den August/September und beginnt im Frühjahr mit der Kontrolle von genügend Futter und ausreichend Raum für die Bienen. Spätestens Mitte Juli werden die Völker abgeerntet, also Honig entnommen und geschleudert. Die Honigproduktion spielt vor allem in der Berufsimkerei eine wichtige Rolle. Der Imker wandert in verschiedene Trachten und versucht bis in den Herbst hinein Trachtmöglichkeiten zu finden, um Honig ernten zu können. Die Leistungsfähigkeit spielt in der Freizeitimkerei eher eine untergeordnete Rolle.

3. Welche Voraussetzung braucht man für diesen Beruf?
Häusliche oder familiäre Voraussetzungen, wie z.B. eine Imkerei in der Familie, sind nicht unbedingt notwendig. In erster Linie muss man die Liebe für die Natur mitbringen und gern beobachten und sich gern mit Tieren beschäftigen. Zudem sollte man von vornherein eine positive Einstellung zur Arbeit mit den Bienen mitbringen. Geht man mit Angst und Vorbehalten an die Sache ran, funktioniert es in der Regel nicht.
Grundsätzlich ist ein normaler Schulabschluss notwendig. Das Abitur wird natürlich gern gesehen, ist aber nicht erforderlich. Bestimmte Kenntnisse im Bereich der Naturwissenschaften werden erwartet, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen und bestimmte Berechnungen, wie Futtermengen, ermitteln zu können. Die Imkerei ist in vielen Bereichen an feste Termine gebunden, so dass man akkurat und nach Zeitplan arbeiten muss. Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und insbesondere Teamfähigkeit werden bei größeren Imkereien groß geschrieben. Auch körperlich sollte man fit sein, da viel im Freien gearbeitet wird und feste Termine bei jeder Wetterlage eingehalten werden müssen. Auch sind kraftanstrengende Arbeiten durchzuführen.

4. Wie ist der Ausbildungsablauf?
Der Imker ist ein richtiger Lehrberuf mit einer Ausbildungszeit von drei Jahren und läuft in Deutschland unter der Bezeichnung Tierwirt, Fachrichtung Bienen. Während der Berufsausbildung werden im Betrieb praktische Fähigkeiten erlernt und theoretisches Wissen in der Schule vermittelt, so dass man anschließend in der Lage ist, selbstständig eine Imkerei zu führen. Lehrstellen werden an unterschiedlichen Orten angeboten. Zum einen bieten die Berufsimkereien und zum anderen auch alle Bieneninstitute in Deutschland Lehrstellen an. Im Berliner Raum gibt es z.B. das Bieneninstitut Hohen Neuendorf. In Kirchhain, Main und Celle z. B. gibt es. weitere Institute, die regelmäßig Leute zu Ausbildungszwecken suchen.

5. Welche Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen gibt es?
Nach Beendigung der Ausbildung ist es möglich, selbstständig eine Imkerei zu führen oder Mitarbeiter in einer Imkerei oder einem Bieneninstitut zu werden. Zusätzlich kann man sich weiter zum Imkermeister qualifizieren oder einen Studiengang an einer Hochschule belegen, um anschließend an Instituten wissenschaftlich zu arbeiten. Institute und Imkerverbände bieten ebenfalls verschiedene Lehrgänge an. Auch ich biete jedes Jahr einen Lehrgang für Anfänger bzw. Jungimker an, der in diesem Jahr von 25 und im letzten Jahr von 52 Teilnehmern besucht wurde. Es besteht auch die Möglichkeit sich für ein Praktikum anzumelden. Junge interessierte Leute werden von den Instituten eigentlich immer gern angenommen. Es gibt auch deutsche Imker, die Imkereien im Ausland wie bspw. in Portugal, Ägypten oder Marokko betreiben.
In den alten Bundesländern besitzt jeder Regierungsbezirk einen staatlich angestellten Imkerfachberater. Imker können sich an ihn wenden oder werden persönlich im jeweiligen Bereich betreut.

6. Worin sehen Sie den Umweltbezug in Ihrem Beruf?
Grundsätzlich ist es so, dass unsere Bienenvölker in Mitteleuropa ohne eine Unterstützung durch den Menschen nicht überlebensfähig sind. Man muss daher für ihre Gesundheit und ihren Bestand sorgen. Die Honigbiene ist generell der Hauptbestäuber und bestäubt ca. 80 Prozent aller vorhandenen Nutz- und Kulturpflanzen. Die restlichen werden von anderen Insekten, wie u.a. Hummeln, Solitärbienen oder Wespen bestäubt. Das Problem liegt ganz einfach darin, dass wir zwar Honig importieren können, aber die Bestäubung nicht. Man benötigt im Schnitt 4 – 6 Bienenvölker, um eine Bestäubung zu gewährleisten. In Deutschland liegen wir momentan bei 1,4 Völkern, also noch weit unter dem Durchschnitt.

7. Was ist toll an diesem Beruf?
Das Schöne an meinem Beruf ist es, dass trotz jahrzehntelanger Erfahrung jedes Jahr anders ist. Der Witterungs- und Blühverlauf ist unterschiedlich, so dass die Völker sich in jedem Jahr anders entwickeln. Es gibt immer wieder Ereignisse und Feststellungen, bei denen auch der erfahrene Imker sagt: „Das hat es ja noch nie gegeben. Das hab ich ja noch nie erlebt.“ Und genau das macht es so spannend, sich mit Bienen zu beschäftigen. Zudem hat die Imkerei auch einen ganz beruhigenden Einfluss auf den Menschen. Bienen reagieren sofort auf hektische Bewegungen und Angst des Imkers, so dass man sein Leben sozusagen zwangsweise entschleunigt oder mit der Konsequenz von Stichen lebt. Es gibt natürlich auch heute noch Imker, die sich voll schützen. Ich selbst imkere so, wie ich jetzt hier sitze (T-Shirt, lange Hose). Auch das Beobachten und das Fluggeräusch sind eben einfach beruhigend und man hat während der Zeit andere Gedanken. Es macht natürlich auch einfach Spaß.

8. Was ist nicht so toll an diesem Beruf?
Es gibt in der Imkerei eine Zeit, von März/April bis August/September, wo jede Menge Arbeiten anfallen. Die biologische Uhr der Bienenvölker ist eben terminlich festgelegt und Fristen können nicht verschoben werden. Im Sommer gibt es viel Terminarbeiten, die natürlich auch an den Wochenenden anfallen können. Selbstverständlich muss auch der Partner tolerant sein oder noch besser selbst mitarbeiten. In meinem Falle ist es so, dass meine Frau und ich uns die Arbeit teilen. Ich bin praktisch für die Bienenseite zuständig und meine Frau kümmert sich ums Honigschleudern, sieben, rühren, abfüllen usw. Dann ist auch das Verständnis für Spätschichten des Anderen vorhanden. Die Urlaubsplanung muss. so eingerichtet werden, dass vorab alle Arbeiten erledigt sind. Wenn wir Mitte Juli abgeschleudert, die Futtervorräte ergänzt und die Varroa-Behandlung durchgeführt haben, kann man in den Urlaub fahren. Die Bienen sind versorgt und gesundheitlich auf dem richtigen Stand, so dass bis Mitte September eigentlich nichts passieren kann.

9. Wie ist die Vergütung?
Es gibt Unterschiede zwischen den Berufsimkern, die nur eine kleine Randgruppe ausmachen, und den Freizeitimkern. Die Imkerei ist grundsätzlich saisonal und macht es äußerst schwierig, allein davon zu leben, so dass die meisten Imker noch einen zusätzlichen Nebenerwerb haben. Selbstverständlich kommt es hierbei auf die persönlichen Ansprüche an. Zudem spielt es auch eine wichtige Rolle, ob ein eigenes Grundstück und eigene Gebäude existieren, wo die Imkerei betrieben werden kann. Müssen Räumlichkeiten zusätzlich angemietet oder Flächen gepachtet werden, wird die ganze Sache noch brisanter. Natürlich muss auch der Honig vermarktet werden.

10. Wie hat sich Ihr Berufsfeld in den letzten Jahren verändert?
Nach der Wende erfolgte ein dramatischer Zusammenbruch der Imkereien in Ostdeutschland. Das Problem der Vermarktung existierte damals noch nicht, da der Honig an einer Sammelstelle abgegeben wurde und zur Bienenwirtschaft Meißen kam. Von dort aus wurde er dann exportiert. Es gab zu dieser Zeit durchaus Freizeitimker mit 2 - 3 Wanderwagen und bis zu 100 Völkern, die von ihren Bienen gut leben konnten. Nach der Wende brach dieses System zusammen und die Imkerschaft war von nun an für ihre Vermarktung selbst zuständig. Wir haben ungefähr 4 bis 5 Jahre gebraucht, bis wir einen gewissen Kundenstamm hatten und unseren Honig loswurden. Viele Imker hatten das Problem, dass sie tonnenweise Honig zu stehen hatten, diesen aber nur unter Wert hätten verkaufen können. Die meisten haben dann einfach aufgegeben. Dadurch ist die Zahl der Imker rapide zurückgegangen und natürlich auch die Zahl der Bienenvölker. Momentan gibt es einen leichten Aufschwung, den wir in unserem Verein in Bernau bemerken. Wir zählen jetzt wieder fast 50 Mitglieder, nach der Wende waren wir nur noch 20. Es gibt viele ältere aber auch junge Leute, die aus ihrem Beruf ausgestiegen sind und Zeit für Bienen haben. Das wichtigste ist, dass man sich um den Nachwuchs kümmert. Viele Imker, gerade die Älteren, gehen einfach nicht in die Öffentlichkeit. Eine Bienenzeitung wie zu DDR-Zeiten gibt es heute nicht mehr im freien Verkauf, so dass die Vermarktung diesbezüglich einfach fehlt und die Imker selbst dafür verantwortlich sind.

11. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten in Ihrem Beruf ein?
Das Umfeld für die Imkerei in Deutschland ist nicht besonders gut, da der Wert der Bestäubung gesellschaftlich kaum anerkannt wird. Es wird zwar gesagt, dass die Biene nach dem Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier ist, nur der Imker als Hüter der Bienen hat davon nichts. In anderen Ländern werden zum einen Bestäubungsgelder gezahlt und der Imker bekommt pro gehaltenem Bienenvolk eine Bestäubungsprämie. Das ist nicht viel Geld, aber es ist eine Anerkennung. Zum anderen wird mehr Blütenvielfalt angestrebt, um das Nahrungsangebot für die Bienen zu erweitern. Momentan setzt die Landwirtschaft zu 80 Prozent auf Raps und Mais zur Speiseölgewinnung und Grünmasse für Sprit und zur Energiegewinnung. Das ist aber nichts für die Bienen. Ihnen geht es in den Stadtgebieten eigentlich sehr gut, nur auf dem flachen Land sieht es eher schlecht aus. Zu DDR-Zeiten wurde viel mit Rotklee gearbeitet, es wurden Leguminosen wie Luzerne angebaut, die zum Blühen auch stehen gelassen wurden und den Bienen ein geschlossenes durchgehendes Trachtband von Frühjahr bis in den Herbst lieferten. Heute werden u.a. Sonnenblumen gezüchtet, die gar keinen Pollen mehr bilden, keinen Nektar mehr abgeben und für Bienen vollkommen uninteressant sind. Es gibt einen hohen Verbesserungsbedarf im Hinblick auf die Bienen.
Wir machen jedes Jahr in Berlin-Malchow eine kostenlose Anfängerschulung und haben immer bis zu 10 Leute, die sich wirklich für Bienen interessieren. Wir betreuen die Leute nach der Schulung weiter und vermitteln Patenschaften, statten mit Bienen aus, geben wichtige Ratschläge u. v. m. Anschließend geben wir eine praktische Hilfestellung, so dass immer das Gefühl der Unterstützung besteht.

12. Würden Sie den Beruf weiterempfehlen?
Ich würde den Beruf demjenigen empfehlen, der wirklich eine Ader dafür hat. Entweder man ist von Bienen gefesselt oder man ist es nicht. Ich bin absolut glücklich mit meiner Tätigkeit und sie erfüllt mich sehr. Ich vermittle das auch gern weiter.

13. Wie produziert die Biene eigentlich den Honig?
Ein Bienenvolk hat ca. 40.000 - 60.000 Arbeitsbienen, wovon ca. 20.000 zur Bestäubung ausfliegen. Wenn die Honigblase oder das Pollenhöschen voll ist, wird es zu Hause übergeben und die Sammlerin fliegt wieder los. Das macht sie mehrmals am Tag. Der Rest der Bienen bleibt im Stock und füttert die Brut, baut neue Waben und arbeitet den eingetragenen Nektar um zu Honig. Der Nektar ist zu Beginn nur ein süßer Saft, der noch ca. 80 Prozent Wassergehalt hat und zu über 90 Prozent aus Rohzucker besteht, also wie unser Kristallzucker. Wenn die Honigbiene den Nektar aufsaugt, gibt sie in ihrem Honigmagen schon eigene Enzyme dazu und die Umarbeitung beginnt sofort. Diese Enzyme spalten praktisch den Rohzucker des Nektars zu Einfachzuckern des Honigs, Fruchtzucker und Traubenzucker, so dass der Honig später nur noch zwei Prozent rohen Zucker enthält. Alles andere sind Einfach- und Zweifachzucker. Der Wassergehalt liegt am Ende dann nur noch unter 18 Prozent. Wenn der Honig übergeben wurde, vollenden die Stockbienen diesen Prozess, bis der Honig für die Bienen auch lagerfähig ist.

Vielen Dank für das Interview

Johanna Sabeh

 

 

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