Umweltbüro Lichtenberg

Wir müssen Lücken füllen

1. Bitte stellen Sie sich und die Kindertagesstätte „Abenteuerland“ vor!

Unser Träger ist der Verein für ambulante Versorgung Hohenschönhausen e.V. (VAV), der seit März 1991 besteht. Der VAV ist u.a. Träger von 4 Kindertagesstätten in Berlin Lichtenberg. Die Kita „Am Leuchtturm“ arbeitet z. B. nach dem „Early excellence-Ansatz“ bei dem Kindertagesstätte und Familienkompetenzzentrum miteinander verbunden sind und so integrierte Leistungen für Kinder- und Familienbetreuung anbieten.
Die Kita „Abenteuerland“ betreut derzeit 180 Kinder, davon umsorgen wir, das Projekt „Regenbogenland“ 34 Kinder in einem Alter von 4 bis 6 Jahren. Mit 5 Erziehern bieten wir in unserer Gruppe offene Strukturen, unser Schwerpunkt  liegt bei Umwelt- und Naturthemen. Gemeinsam mit den Eltern haben wir vor einigen Jahren unseren Kitagarten angelegt, gestaltet nach einem Modell der Kinder, das den 1. Preis des Berliner Umweltwettbewerbes gewonnen hat.
Schon allein durch die Betreuung des Gartens, der sich in einem immerwährenden Wandel befindet, können wir mit den Kindern Umweltbildung betreiben. Das Nutzgartenprojekt steht allen Kindern der Kita „Abenteuerland“ zur Verfügung, wenn aufgrund der Gartengröße auch nicht immer gleichzeitig.

2. Nach dem Kindertagesfördergesetz ergänzen und unterstützen Kindertageseinrichtungen als Bildungseinrichtung die Erziehung des Kindes. Ist die Umweltbildung hier gesetzlich verankert?

Im Berliner Bildungsprogramm von 2004 ist die Förderung der Naturwissenschaften verankert. Ziel des Bildungsprogramms ist die Unterstützung aller Kinder bis zum Schulbeginn, um ihnen so die bestmöglichen Voraussetzungen für den Wechsel von der Kita zur Schule zu geben.

3. Welche Themenfelder aus den Bereichen Natur und Umwelt finden in der Kita „Abenteuerland“ besondere Beachtung?

Durch die Pflege unseres Nutzgartens bildet das Thema Ernährung einen wichtigen Bereich. Die erste Idee zu unserem Garten entstand in einer Morgenkreisrunde, in der wir mit den Kindern das Thema „Wo kommen eigentlich unsere Lebensmittel her?“ diskutiert haben. Bis in den Supermarkt sind wir gekommen, offen blieb die Frage „Wie kommen unsere Lebensmittel in den Supermarkt?“. Die folgende Frage „Wenn wir einen Garten zur Verfügung hätten, welche Pflanzen würdet ihr euch für den Garten wünschen?“ wurde u.a. mit einem Fleischbaum beantwortet. Nun, wir haben es probiert. Nachdem wir eine Scheibe Fleisch in den Boden gelegt hatten und nichts passierte war klar, Fleisch wächst nicht am Baum. Durch die Pflege unseres Nutzgartens lernen die Kinder den Prozess des Säens, Wachsens und Erntens kennen. Einmal im Monat kochen wir mit den Kindern dann gemeinsam und verwerten hierbei Obst, Gemüse und Kräuter aus unserem eigenen Garten.
Der Wechsel der Jahreszeiten ist ebenso ein regelmäßiges Thema, wie Recycling und die Herstellung von Papier.

4. Welche Möglichkeiten haben Kitas, um den Bereich Umweltbildung zu gestalten? 

Viele. Auch wenn kein Garten vorhanden ist, gibt es in Berlin zahlreiche Möglichkeiten, Umweltbildung zu betreiben. Neben der Durchführung eigener Veranstaltungen, wie beispielsweise den Waldtagen, können auch externe Kooperationspartner wie die Berliner Stadtreinigungsbetriebe hinzugezogen werden, die in unserer Kita regelmäßig das Thema Recycling behandeln. Daneben können Ausflüge in Berliner Schutzgebiete und in Naturschutzstationen durchgeführt werden. An einem eigenen oder zu kleinen Garten sollte die Umweltbildung in Berlin jedenfalls nicht scheitern.

5. Finden regelmäßig Ausflüge in die Naturräume statt?

Wegen der Vorbereitung zur Einschulung sind unsere Ausflüge in den letzten Wochen leider etwas zu kurz gekommen. Die Kita-Abschlussfahrt in diesem Jahr haben wir aber in einer Jugendherberge im Wald verbracht. Normalerweise machen wir einmal wöchentlich einen Waldtag und wandern zum Naturschutzgebiet Fauler See, u.a. um den Wandel des Gebietes in den unterschiedlichen Jahreszeiten zu erkunden. Besuche in der Naturschutzstation Malchow und wiederkehrende „Arbeitseinsätze“ in unserem Garten tragen ebenso zur Umweltbildung bei.
Unsere Ausflüge organisieren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Kinder werden oftmals mit dem Auto bis vor die Tür der Kita gebracht, so wird schon die Bahn- oder Busfahrt zum Erlebnis. Da die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel für Kinder bis 6 Jahre kostenlos ist und neuerdings auch die schon 6-jährigen Kinder bei einem Kita-Ausflug unentgeltlich mitfahren dürfen, entstehen keine zusätzlichen Kosten für die Eltern.

6. Werden die Eltern in Umweltprojekte mit eingebunden?

Gerade bei der Gestaltung unseres Gartens sind wir oft auf die Hilfe der Eltern angewiesen. Den Garten haben wir ja nicht erst seit diesem Jahr, in dem wir auch am 1. Lichtenberger Schulgartenwettbewerb teilgenommen und mit dem Projekt „Unser grünes Wohnzimmer“ gewonnen haben.
Gerade zur Zeit der Neugestaltung haben wir auf das Engagement der Eltern zurückgegriffen, bestimmte Aufgaben sind für die Kinder einfach zu schwer.
Unser Ziel ist eine Partnerschaft zwischen Eltern und Erziehern, hier finden wir gut Mittel und Wege, um die Eltern in Projekte einzubinden, das Interesse für die Projekte ist auf jeden Fall gegeben. Beispielsweise benötigen wir für die Schließzeiten der Kita Gießdienste, die Eltern freiwillig übernehmen. Daneben finden sich auch Eltern, die nachmittags Unkraut zupfen, Pflanzen aus dem eigenen Garten mitbringen oder Kuchen backen, der dann auf einem Kuchenbasar verkauft wird. Mit dem Erlös konnten wir uns fehlendes Pflanzmaterial kaufen. Im letzten Winter haben wir zwar viele Pflanzen gemeinsam mit den Kindern auf dem Fensterbrett vorgezogen, hier gab es aber einige Ausfälle, als wir die Pflänzchen in die Beete gesetzt haben.

7. Der Jugendnaturreport des Jahres 2010 stellt eine enorme Naturentfremdung der Kinder in einem Alter von 11 bis 15 Jahren fest. Was tun Sie, damit sich „Ihre“ Kinder nicht mit 11 Jahren der Natur entfremdet haben?

Kinder sind von Natur aus wissbegierig. Durch die gemeinsame Gartenarbeit, Ausflüge, bei denen wir auch die einheimischen Tiere und Pflanzen betrachten, und das regelmäßige Spielen im Wald versuchen wir, den Kindern ein Grundwissen für die Natur mitzugeben. Auf dieses Wissen können sie dann später zurückgreifen und je nach Interessenlage auch weiter ausbauen.

8. Sind Ihrer Meinung nach Veränderungen in der Umweltbildung nötig?

Ich denke ja. Eigentlich sollte jede Einrichtung ihren Kräutergarten haben, ein Stück Natur, anhand derer man Kindern Natur und Umwelt erlebbar machen kann.
Neben der Umweltbildung gibt es in den Kindertagesstätten aber auch noch andere Bildungsbereiche wie die Sprache, die nicht zu kurz kommen sollten. Ziel sollte hier eine ausgewogene Mischung sein.

9. Ist die Umweltbildung in der Berufsausbildung zum/r Erzieher/-in verankert? Gibt es Weiterbildungen zum Thema?

In der eigentlichen Berufsausbildung zum Erzieher sind Umweltthemen so gut wie gar nicht verankert, sie sind hier eher ein Randgebiet. Eigenes Engagement und Weiterbildung zu diesem Thema können die Lücken füllen.

Vielen Dank für das Interview

Doreen Hantuschke

 

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