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„Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen“, mit diesen Worten warnt Eberhard Brandes, Vorstand der größten internationalen Naturschutzorganisation WWF. Rund 7,2 Mrd. Menschen leben auf der Erde und das Bevölkerungswachstum hält weiter an. 9 Mrd. Menschen werden schätzungsweise im Jahr 2050 die Erde bewohnen. Doch schon jetzt leben wir deutlich über unsere Verhältnisse, beuten die natürlichen Ressourcen der Erde rücksichtslos aus und verdrängen zunehmend Pflanzen und Tiere. Der überhöhte Verbrauch macht sich bereits bemerkbar: Umweltkatastrophen, Artensterben und Extremwetterlagen sind nur einige der dramatischen Folgen. Doch wie lange kann es unter diesen Umständen noch weitergehen? Wie viel Natur haben und verbrauchen wir und wer nutzt eigentlich wie viel? Diese Fragen stellten sich Anfang der 90er Jahre die beiden Wissenschaftler William E. Rees und Mathis Wackernagel. Aus diesem Gedanken heraus entwickelten sie im Jahr 1994 das Konzept des „Ökologischen Fußabdrucks“ (ÖF), der uns von nun an bei der Beantwortung dieser Fragen helfen sollte. Als Indikator der Nachhaltigkeit oder auch des ökologischen Defizits ist er ein Abbild für unseren Ressourcenverbrauch. Er sagt aus, wie viel Fläche mit unterschiedlicher biologischer Produktivität dem Planeten zur Verfügung steht und wie viel Biokapazität die Menschheit davon nutzt. Ob Flächen für Landwirtschaft oder zur Bebauung, zur Energiegewinnung oder auch für die Entsorgung von Abfällen und Abgasen, jedes Wirtschaften verbraucht eine bestimmte Fläche und jeder Mensch hinterlässt einen unterschiedlich großen Fußabdruck.

Die Artenvielfalt hat seit den 70er Jahren weltweit um 30%, in tropischen Regionen sogar bis zu 60% abgenommen. Der ÖF hingegen hat sich seit 1966 verdoppelt und es ist kein Ende in Sicht. Angebot und Nachfrage werden gegenübergestellt und in der Maßeinheit „globaler Hektar“ (gha) dargestellt. Ein „gha“ entspricht dabei einem Hektar weltweit durchschnittlicher biologischer Produktivität, der u.a. für Landwirtschaft, Holzwirtschaft oder zur Energiegewinnung genutzt wird.

Bei gleicher Verteilung der Flächen entfallen auf jeden Erdenbürger rund 2,1 gha zur Verfügung. Um einen biologisch vielfältigen und artenreichen Planeten zu erhalten, werden 20% der bioproduktiven Flächen für die Wildnis bewahrt. Global betrachtet stünden dann einem Erdenbürger 1,8 gha zur Verfügung. Der Weltdurchschnitt liegt jedoch bei 2,7 gha. Wir verbrauchen also weit mehr Biokapazität als unsere Ökosysteme dauerhaft zur Verfügung stellen können. Eine aktuelle Studie des WWF, der „Living Planet Report 2012“, zeigt auf, dass bis zum Jahre 2030 zwei Planeten und 20 Jahre später bereits drei Erden benötigt werden, um unseren Bedarf an Wasser, Energie und Nahrungsmitteln abzudecken. Allerdings tragen 75% der Weltbevölkerung nichts zu diesem Raub bei. Indien (0,9 gha) und Äthiopien (1,1 gha) liegen beispielsweise weit unter dem Durchschnitt. „Das Wachstum wohlhabender Staaten findet auf Kosten der ärmsten Länder statt, die häufig am meisten natürliche Ressourcen beisteuern und selbst am wenigsten verbrauchen. Natur muss endlich einen Preis haben und die natürlichen Ressourcen im internationalen Finanzsystem berücksichtigt werden. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das 21. Jahrhundert zu einem Jahrhundert der Umweltkatastrophen“, sagt Eberhard Brandes vom WWF.

Mit einem durchschnittlichen Naturverbrauch von 4,6 gha pro Kopf liegt Deutschland im Ranking um den größten ÖF auf dem 30. von 150 Plätzen. Es würden zwei Planeten von der Qualität der Erde benötigt, damit alle Menschen auf unserem Verschwendungsniveau leben könnten. Unser Ressourcenverbrauch setzt sich aus vier Komponenten zusammen:

1) Ernährung
Die Produktion von Lebensmitteln macht circa ein Drittel unseres ÖF aus. Rund 90% davon entstehen durch den Verzehr tierischer Produkte. Die Fleischproduktion in Deutschland trägt den größten Teil dazu bei. Kraftfutter und importierte Futtermittel benötigen immense landwirtschaftliche Flächen, die auch aus Ländern mit Hungersnöten kommen. Der hohe Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger spielt ebenfalls eine Rolle. Ein verminderter Fleischkonsum und der Verzehr von regionalen und saisonalen Lebensmittel, möglichst aus biologischem Anbau, verringern den Fußabdruck.
2) Wohnen
Ein Viertel des Gesamtverbrauchs wird im Durchschnitt zum Wohnen verbraucht. Strom sowie Energie zum Heizen, Materialien zum Hausbau, die allgemeine verbrauchte Fläche und die öffentliche Infrastruktur werden in die Rechnung einbezogen. Der BUND Berlin e.V. bietet kostenfreie und individuelle Energiecheck-Beratungen vor Ort in Berliner Haushalten an.

fussabdruck3) Mobilität
Insbesondere der hohe Anteil des Auto- und Flugverkehrs verursacht rund ein Fünftel des ÖF in Deutschland. Der private Autoverkehr nimmt zu und der Trend zu Kurzurlauben wird vermehrt durch Billigfluggesellschaften bedient. So kommen schnell viele Kilometer zusammen. Öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder bei längeren Strecken auch Fahrgemeinschaften sind gute Alternativen. Auf Flugreisen sollte man verzichten bzw. sie auf das minimalste einschränken. Legt man beispielsweise dieselbe Strecke mit der Bahn anstatt mit dem Flugzeug zurück, ist der ÖF pro Kopf etwa zwanzigmal geringer.

4) Konsum
Ein Sechstel des Verbrauchs entsteht durch den Konsum von Gütern und Dienstleistungen, der hohe Papierverbrauch macht allein ein Drittel davon aus. Recycling von Papier, Glas oder Metall schont unsere Rohstoffe. So verbraucht die Herstellung einer neuen Aluminiumdose circa 90% mehr Energie als eine recycelte Dose wiederzuverwenden. Beim Einkauf sollte auf die Verpackung und Langlebigkeit von Produkten geachtet werden. Auch Geräte mit niedrigem Energieverbrauch und fair gehandelte Textilien senken den ÖF.

Wir müssen lernen, auf kleinerem Fuß zu leben und unseren wachsenden Verbrauch rechtzeitig abzubremsen. Damit Regionen, Kommunen, Haushalte, Unternehmen, Länder und Einzelpersonen ihren ökologischen Fußabdruck auf Zukunftsfähigkeit berechnen können, haben unterschiedliche Organisationen Kalkulatoren entwickelt.

Der Trend „Sharing Economy“ eröffnet viele Möglichkeiten, seinen Fußabdruck zu verringern. Nutzen, Tauschen, Verleihen und das in den verschiedensten Bereichen. Ob Autos, Kleidung oder auch technische Geräte: man muss nicht mehr alles besitzen, um es nutzen zu können. Der Grundgedanke, Ressourcen gemeinsam zeitlich begrenzt zu nutzen, spiegelt sich in vielseitigen Projekten und Geschäftsideen, die insbesondere im letzten Jahrzehnt herangewachsen sind, wider. Das Angebot und die Vielfalt steigen und auch in Berlin eröffnen sich viele Optionen. Als Anreiz finden Sie abschließend interessante Links.

Helfen Sie mit, unseren Lebensraum - die Erde - gemeinsam zu erhalten!

Weiterführende Informationen:

Weitere Informationen zum Begriff „ökologischer Fußabdruck“
www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/
Living Planet Report 2012 vom WWF
www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Living_Planet_Report_2012.pdf
„Haushaltsnahe Abfallberatung / Berliner Abfallcheck“ vom BUND
www.berliner-abfallcheck.de
Umweltbewusst Leben: ein Verbraucherratgeber vom Umweltbundesamt
www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/umweltbewusstleben

Footprint-Rechner vom BUND
www.footprint-deutschland.de

Angebote zum Thema „Sharing Economy“:

www.foodsharing.de
eine online Datenbank, die überschüssige Lebensmittel zur eigenen Abholung anzeigt
www.original-unverpackt.de
das erste Supermarkt-Konzept ohne Einwegverpackungen
www.repaircafe.org/de
selbst oder gemeinsam kaputte Dinge mit ehrenamtlichen Experten reparieren
www.kleiderkreisel.de

eine Internetplattform, die sich auf den Tausch von Kleidung konzentriert
www.meinespielzeugkiste.de
eine Plattform, die Spielzeug  sämtlicher Marken und Altersklassen zum Verleih anbietet
www.leila-berlin.de
ein Leihladen, der diverse Dinge für den Alltag verleiht und annimmt
www.bsr.de/verschenkmarkt/list.asp
eine Onlineplattform der BSR, die Gegenstände zum Verschenken anbietet

 

 

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