Umweltbüro Lichtenberg

Wundererde weltweit?

Die Böden im tropischen Regenwald sind meist karg und nährstoffarm. Blätter und Äste verrotten im feuchtheißen Klima sehr schnell, ohne dauerhaft Humus zu bilden. Die Überreste des Humus werden durch die vielen Regenfälle weggespült. Es entstehen dann sogenannte lateritische Böden, deren Hauptbestandteile Aluminium- und Eisenoxide sind. Die wenigen Pflanzennährstoffe, die dieser Boden noch enthält, befinden sich in einer für Pflanzen schlecht nutzbaren Form. Der größte Regenwald der Erde wächst also auf Böden, die zu den nährstoffärmsten der Welt gehören.

Bis vor wenigen Jahren waren sich die Historiker unserer Zeit einig: Eine Hochkultur kann es im Amazonasgebiet nicht gegeben haben, die kargen Böden hätten die Ernährung mehrerer Millionen Menschen nicht erlaubt. Forschungen der letzten Jahre ergaben aber, dass vor dem 16. Jahrhundert fünf bis 25 Millionen Menschen in Amazonien gelebt haben, heute führen hier nur 350.000 Menschen ein bescheidenes Leben. Wie soll das möglich gewesen sein?

Siedler und Forscher stießen in der Vergangenheit immer wieder auf kleine Flächen, die eine bis zu zwei Meter tiefe schwarze und fruchtbare Schicht aufweisen, vorrangig in den Wanderfeldbaugebieten der feuchten Tropen.
Heute ist bekannt, dass die Ureinwohner Amazoniens die „Schwarze Erde“ seit tausenden von Jahren selbst herstellten.
In großen Tongefäßen wurden Hausabfälle sowie menschliche und tierische Exkremente gesammelt. Mit Holzkohleresten und Asche aus dem Herd wurde der Geruch gebunden, mit einem Deckel versehen blieb die Mischung weitestgehend sauerstofffrei. Zahlreiche Mikroben, die in den Abfällen und Fäkalien enthalten sind, setzten nun eine Milchsäuregärung in Gang, ähnlich der heutigen Sauerkrautherstellung. Nach einer bestimmten Zeit kam die Mischung auf die landwirtschaftlich genutzten Felder und wurde von den Bodenlebewesen in die Erde eingearbeitet. Im Zusammenspiel mit den Pflanzenwurzeln entwickelte sich so über mehrere Jahrtausende ein dauerfruchtbarer Boden: die „terra preta de indio“.

Wichtigste Inhaltsstoffe der „Schwarzen Erde“ sind die Holzkohlereste. Sie sind entscheidend für die Fruchtbarkeit des entstandenen Bodens. Holzkohle ist sehr stabil und wird im Boden über mehrere hundert Jahre, also sehr langsam abgebaut. Die poröse Oberfläche bietet zahlreichen Mikroorganismen Lebensraum, die Mischung aus Pilzen und Bakterien bindet Nährstoffe in einer für die Pflanzen nutzbaren Form im Boden. Einer Auswaschung durch Niederschläge wird so entgegen gewirkt.

Vor 7.000 Jahren entwickelten die Ureinwohner dieses System und stellten so einen nachhaltig fruchtbaren, tiefschwarzen und kohlenstoffreichen Boden her. Mit der spanischen und portugiesischen Eroberung vor etwa 500 Jahren fand diese Methode ihr Ende. Der Boden aber blieb bestehen.

Aber lässt sich das Terra-Preta-Prinzip auch sinnvoll auf andere Regionen der Erde übertragen? Einige europäische Bauern probieren es aus, stellen aus verschiedensten Zutaten wie Gülle, Biomasse und effektiven Mikroorganismen „ihre“ eigene „Schwarze Erde“ her.Wundererde

 

Neu hergestellte „Terra Preta“ könnte die Erträge landwirtschaftlich unproduktiver Böden steigern. Hierbei ist aber zu bedenken, dass der wichtigste Inhaltsstoff dieses Bodens Holzkohle ist. Pflanzenkohle erhält man durch energieintensives Verkoksen von Holz, das aus ökologischer Sicht weder aus primären Urwäldern noch aus intakten Wäldern gewonnen werden sollte. Die Rodung von Waldflächen zur Anreicherung unserer Böden ist alles andere als nachhaltig, um nicht zu sagen sinnlos.
Auch vor dem Hintergrund, dass die weltweit landwirtschaftlich nutzbare Fläche begrenzt ist und kaum für jetzige, oft auch konkurrierende Nutzungen ausreicht, sollten keine Biomasseproduktionsflächen für die Herstellung von der „Schwarzen Erde“ genutzt (angelegt) werden.

Letztendlich kann „Terra Preta“ nur eine Zukunftschance haben, wenn deren Herstellung in geschlossenen Stoffkreisläufen mit derzeit ungenutzten Rohstoffen erfolgt. Auch nährstoffreiche Abfälle wie Klärschlamm und Biomüll könnten so nachhaltig recycelt und für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit genutzt werden. Heute ist es üblich, diesen Abfall zu verbrennen.

Genau genommen entsteht die „Schwarze Erde“ aber durch die Aktivität der Bodenorganismen. Wichtige Bestandteile der konventionellen Landwirtschaft, wie Mineraldünger, schweres Gerät, Pestizide und Monokulturen schränken die Vielfalt und Aktivität der Bodenlebewesen erheblich ein. Mit einer guten fachlichen Praxis, die neben der bodenschonenden landwirtschaftlichen Bewirtschaftung auf sich abwechselnde Fruchtfolgen und organischen Dünger setzt, könnten die meisten der mitteleuropäischen Böden langfristig und nachhaltig genutzt werden, auch ohne die schwarze Wundererde. In den Tropen aber kann die Wiederaufnahme des „Terra Preta“- Prinzips zu einer Chance für eine gemeinsame Zukunft von Wald und Mensch werden.

 

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