Umweltbüro Lichtenberg

Grüne Berufe - der Forstwirt

In lockerer Folge wollen wir Ihnen verschiedene Berufe vorstellen, die im weitesten Sinne mit der Umwelt zu tun haben.
Heute stellen wir Ihnen den Beruf des Forstwirtes vor – ein Interview mit Olaf Zeuchner

 

 

  1. Welche Aufgaben hat ein Forstwirt?
    Die vorrangige Aufgabe besteht darin, den Wald so zu nutzen, zu bewirtschaften und zu gestalten, dass er in seiner Größe erhalten bleibt, die Qualität nach Möglichkeit verbessert wird und die in ihm lebenden Pflanzen und Tiere geschützt und gefördert werden. Die biologische Produktion ist eine der dauerhaftesten. Die gab es schon vor dem Erdölzeitalter und vor der Steinkohle und soll auch für die nächsten Generationen noch nutzbar sein.

  2. Welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf erfüllen?
    Bei den schulischen Voraussetzungen gibt es 2 Möglichkeiten. Der erste Berufsweg führt nach dem Abitur direkt zu Fachhochschule oder Universität, an der Forstwirtschaft (FH), Forstwissenschaft (Uni) oder internationale Forstwirtschaft studiert werden kann. Man kann aber auch zuerst eine 3-jährige Ausbildung zum Forstwirt absolvieren, im Anschluss daran den Fachhochschulabschluss nachholen, um dann mit einem Studium der Forstwirtschaft (FH) zu beginnen.

    Und nun zu den personellen Voraussetzungen. Hier sind zu allererst Interesse für den Wald und Freude an der Sache zu nennen. Wegen des relativ geringen Einkommens sollte man mit einer ordentlichen Portion Idealismus ausgestattet sein. Ein gutes Organisations-, Improvisations- und Orientierungsvermögen ist notwendig und mit der Jagd und den im Wald lebenden Tieren sollte man umgehen können. Ekel ist hier fehl am Platz! Der Wald wächst sehr langsam und Veränderungen zeigen sich meist erst nach vielen Jahren. Deswegen sind auch Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz wichtig, um als Förster glücklich zu werden. Gute Sprachkenntnisse gestalten die Zusammenarbeit mit internationalen Praktikanten einfacher.

  3. Wie ist der Ausbildungsablauf?
    Neben der Theorie sind auch Praktikumssemester im Studium vorgesehen. Bei den meisten Fachhochschulen und Universitäten muss schon vor dem Studium ein Praktikum absolviert werden, so können erste Erfahrungen gesammelt werden. Will man nach dem Studium in die Verwaltung gehen, ist ein Verwaltungspraktikum notwendig.

  4. Welche Aufstiegschancen gibt es?
    Die Aufstiegsmöglichkeiten sind relativ begrenzt. Forst und Karriere sind zwei getrennte Welten. Als Förster strebt man meist eine ideelle Karriere an, z.B. mit einer neuen Entwicklung, zu der ein Patent angemeldet werden kann. Es gibt aber auch die Möglichkeit Holzeinschlagsfirmen beim Holzeinkauf und –weiterverkauf zu unterstützen oder sich als Forstdienstleister selbstständig zu machen. Eine neue Form des Arbeitsplatzes bieten Biomasseplantagen. Diese eher landwirtschaftlich geprägte, technologische Forstwirtschaft ist ein komplett künstliches Konstrukt, das aber eben auch mit Bäumen zu tun hat.

  5. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten in ihrem Beruf ein?
    Es werden sich neue Aufgabenbereiche, vor allem in der Biomasseproduktion ergeben. Mit der verminderten Nutzung von atomaren und fossilen Brennstoffen, aber gleichbleibendem bzw. steigendem Energiebedarf wird neben Alternativen wie Windkraft, Photovoltaik, Geothermik und Algenproduktion auch die Biomasseproduktion eine immer größere Rolle spielen.

  6. In welcher Firma sind Sie tätig?
    Ich bin wegen einer freien Stelle aus Oldenburg in Niedersachsen nach Berlin gezogen. Ich bin Revierförster in Buch und bei der Stadt Berlin angestellt.

  7. Ist in ihrem Beruf eigenverantwortliches Handeln und Kreativität gefragt?
    In meinem Revier ist sehr viel Kreativität gefragt, da es sich hier um ehemalige Rieselfelder handelt, die ich bepflanze und gestalte. Übernimmt man einen Wald, der schon wunderbar aufgebaut ist, ist weniger Kreativität nötig. Hier wird dann vorsichtig durchforstet, hier und da ein Rastplatz gebaut oder eine Beschilderung für die Bevölkerung angebracht. Man ist Förderer der biologischen Eigenproduktion des Waldes. Auf Kippenstandorten, ehemaligen Rieselfeldern und aus der Nutzung genommenen Militärflächen ist wegen der Besonderheit der Flächen die meiste Kreativität gefragt.

  8. Was ist toll an dem Beruf des Försters?
    Der Freiraum, um neue Sachen zu entwickeln und die Selbstbestimmung mit der ich trotz der hohen Arbeitsverdichtung der letzten Jahre meine Arbeitszeit frei einteilen kann. Ich habe Freude daran, den Besitzern und damit auch der Bevölkerung den Wald so schön wie möglich präsentieren zu können.

  9. Was ist nicht so toll an ihrem Beruf?
    Neben dem hohen Verwaltungsaufwand mit der immer mehr ansteigenden Bürokratie ist hier noch die Verkehrssicherheitspflicht zu nennen. Der Wald als biologisches System soll einem juristischen System angeglichen werden. Und das ist unglaublich schwierig.

  10. Würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen und wenn ja, warum?
    Für kreative Leute, die mit dem biologischem System Wald umgehen können auf jeden Fall. Der Beruf des Försters ist ein archaischer Beruf, also ein sehr alter Beruf, der nur sehr bedingt Moden unterworfen ist. Kleine Veränderungen vor allem im elektronischen Bereich (PC, Handy) gibt es natürlich auch hier, aber was im Wald passiert, ist seit Jahrtausenden gleich, ähnliche Vorgänge finden immer wieder statt. Eine gewisse Kontinuität und weniger Hektik als in anderen Bereichen machen den Beruf des Försters empfehlenswert. 

  11. Welche Größe haben heutige Forstreviere?
    Das ist unterschiedlich. Förster, die die Verwaltung und die polizeiliche Hoheit in ihrem Revier ausüben, haben in Berlin Reviere von 1.000 bis 1.500 ha. Hat der Förster aber nur die Hoheit und ist nicht der Bewirtschafter, sondern übernimmt nur die beratende Funktion, kann das Revier auch eine Größe bis zu 7.000 ha haben. Durch die technischen Errungenschaften der letzten Jahre (Luftbilder, PC, Handy) sind die Reviere innerhalb der vergangenen 10 Jahre wesentlich größer geworden.

  12. Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit verbringen Sie noch im Wald?
    Dem Großraum Berlin geschuldet verbringe ich ca. 80 Prozent meiner Arbeitszeit im Büro und nur die restlichen 20 Prozent im Wald. Auch hier hat sich in den letzten 10 Jahren durch die derzeitigen technischen Möglichkeiten einiges geändert.

Vielen Dank für das Interview

Doreen Hantuschke

 

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